Mittwoch, 17. September 2008

Schlange essen

Ja..ich habe meine kulinarische Woche: heute war ich Schlange essen.
Um genau zu sein: Grasschlangen. Wir waren 11 Leute und haben drei Grasschlangen bestellt. Die wurden uns erst lebend präsentiert und dann in unserem beisein aufgeschnitten...alles mal wieder sehr 'persönlich' .



Wie bei der Schildkröte gab es wieder Blut und Gallensaft, aber diesmal mit Reiswein.

Und dann haben wir ca. 7-8 verschiedene Gerichte mit Schlange bekommen: Frühlingsrollen, frittierte Haut, Suppe, gebraten...und und und.



Tja und es war wirklich lecker. Hat mich ein bisschen an Aal erinnert, aber das Schlangenfleisch ist fester als Aal.
Dazu gab es immer ordentlich Reiswein, in dem irgendwelche Insekten eingelegt waren.

In der unteren Etage des Restaurants sah es aus wie in einem Museum: verschiedene Tiere eingelegt in Schnaps...und das ist nicht nur zum anschauen da, das wird getrunken...Schlangenschnaps ist hier weit verbreitet.







Fazit: Im Vergleich zu Schildkröte wirklich lecker und mit dem Ganzen drum herum echt nen Erlebnis.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hi, vielleicht hast Du Dir vorher einfach keine Gedanken darueber gemacht, aber weisst Du eigentlich, woher die Schlangen und Schildkroeten auf Deinem Teller kommen? Eine "kuenstliche" Nachzucht ist naemlich bei diesen Tieren nicht moeglich, sie werden in der freien Natur "gejagt"... Wenn die Vietnamesen und Chinesen von ihren alten Traditionen nicht lassen wollen, kann man ihnen als Auslaender schwer was vorschreiben. Aber ob wir jeden Firlefanz mitmachen muesen nach dem Motto "ich habs ausprobiert"?
Vielleicht als kleiner Denkanstoss: http://www.greenpeace-magazin.de/index.php?id=3059

Ole hat gesagt…

Hallo anonym,
Dein Engagement für den Tierschutz in Vietnam in allen Ehren, aber ich kann Deine Aufregung nicht ganz verstehen. „Vielleicht hast Du Dir ja vorher einfach keine Gedanken gemacht, aber weißt du eigentlich“, wie dein Frühstücksei auf dein sonntägliches Brunch-Buffet kommt, dein Dönerfleisch zwischen die Fladenbrothälften, dein IKEA-Ledersofa unter deinen Wohlstandshintern, oder deine politisch korrekten Birkenstocks unter deine politisch korrekten Füße?

- Das ist doch etwas völlig anderes, sagst Du?

Genau, es ist etwas ganz anderes, denn im zivilisierten Europa werden die Tiere selten gejagt sondern im industriellen Maßstab für den (vermeintlichen) Bedarf des Konsumenten herangezüchtet. Während das besorgte Bildungsbürgertum sein Gewissen beim (meist stillen) Protest gegen Treibnetze und Robbenbabykloppen beruhigt, werden täglich abertausende Küken vergast, Ferkel eingepfercht, Lämmer geschlachtet und Hektarweise Monokulturen angelegt und Böden überdüngt. Meinst Du nicht auch, dass vor dem Hintergrund dieser Umwelt- und Tierverachtenden Massenproduktion, das Jagen und Verzehren von Schlangen als Delikatesse, vielleicht eher das kleinere Übel ist?

- Du kannst doch nicht ein Unrecht mit einem schlimmeren aufwiegen, und außerdem geht es hier schließlich um Artenschutz, sagst Du?

Ohne Frage sollte beim Konsum von Schlangen, Schildkröten etc. auf den Artenschutz Rücksicht genommen werden - bedrohte Arten gehören nicht auf die Speisekarte!* Aber wenn jemand den Konsum bestimmter Fleischarten allein auf Grund regionaler, kultureller oder religiöser Nahrungstabus von vorneherein verteufelt und das Ganze dann Artenschutz nennt, dann ist das entweder unreflektiert oder scheinheilig.

Statt einfach los zu poltern, sollte man sich vielleicht erstmal auf die wesentlicheren Ursachen des weltweiten Artensterbens konzentrieren und dann reflektieren, welchen Einfluss die eigene Lebens- und Konsumweise auf die Artenvielfalt hat. Hauptverursacher für den „kontinuierlichen Rückgang der Individuendichte“ ist (mit 70 - 95 %) laut Global Biodiversity Outlook (GBO) der Vereinten Nationen nämlich, na…? Nein nicht das Schlangenessen sondern, ...genau, die industrielle Landwirtschaft. Also bei der nächsten Schüssel Cornflakes einfach mal ne Gedenkminute einlegen, für die Tier- oder Pflanzenart die gerade ausstirbt, während Du noch auslöffelst.

Liebe Grüße
Ole

*Wenn’s nach mir ginge stünden gar keine Tiere auf der Speisekarte.

Scheinheiliger Anonymus hat gesagt…

@Ole: mein Kommentar war keineswegs aggressiv oder als pseudo-Ueberlegenheit gemeint. "politisch korrekten Füße" - eher gesunder Menschenverstand. Ich bin daruber auch keineswegs als "Gutmensch" aufgeregt. Schildkroeten- und Schlangenessen aber als Event darzustellen, muss m. A. nach nicht sein. "Aber wenn jemand den Konsum bestimmter Fleischarten allein auf Grund regionaler, kultureller oder religiöser Nahrungstabus von vorneherein verteufelt und das Ganze dann Artenschutz nennt, dann ist das entweder unreflektiert oder scheinheilig." Lesen hilft: ich habe kein Urteil ueber die vietnamesichen Essgewohnheiten getroffen. Im Gegenteil. Als aufgeklaerter Westler muesste man es allerdings besser wissen. Wenn jaehrlich ca.4 Millionen Touristen in Vietnam anfangen Schildkroete zu essen um das anschliessend mit einem Gefuehl von Nervenkitzel daheim vor dem Diaprojektor Nachbarfamilie Schmidt zu erzaehlen - naja... Und was die (ob gute oder schlechte) Landwirtschaft in Europa mit dem Essen bedrohter Tierarten zu tun hat, will sich mir auch nicht erschliessen. Fuer mich ist das Thema erledigt und ich will mich hier schon gar nicht auf eine Nord-Sued, Bio-Landwirtschaft, ausbeuterischer Westen Diskussion o.a. einlassen. Das hat naemlich mit dem konkreten Thema uebhaupt nix zu tun-auch wenn man noch so wortreich hierzu Bezuege herstellen kann. Nix fuer ungut.Scheinheilige Gruesse.

Oliver Beckmann hat gesagt…

(Speise)Schlangen und (Speise)Schildkröten werden in Vietnam als Nahrungsmittel gezüchtet. Auch wenn Greenpeace etwas anderes darstellt, so kann sich jeder im Osten Hanois vom Gegenteil überzeugen. Bei der Nachfrage würde ansonsten der ganze vietnamesische Norden in Vollbeschäftigung als Jäger fungieren.

Dieses Essen als Happening darzustellen sehe ich in keiner Weise verwerflich. Es war etwas für ihren Geschmack unbekanntes und dazu noch köstlich. Ähnlich zelebrieren übrigens Asiaten die für sie unbekannte Haxn‘ auf der Wiesn‘ oder im Hofbräuhaus. Und freust Du Dich nicht auch über einen ordentlichen Rehbraten und erzählst Deinen Freunden im Anschluss von dem vortrefflichen Mahl? (Oder von dem schmackhaften Mörenauflauf?)

Bedrohte Tierarten werden in Vietnam zwar auch serviert, doch ist es fast unmöglich für Ausländer wie der Blogautorin an solchen Mahlzeiten teilzunehmen. Abgesehen davon, dass Sie sich wohl an so etwas auch nicht beteiligen würde. Wenn allerdings doch, würde ich die Aufregung verstehen. Ansonsten empfehle ich die Gemüter ein bisschen zu beruhigen.

ole hat gesagt…

@ Oliver: Vielen Dank fürs Richtigstellen und Windrausnehmen!

… das letzte Wort will ich trotzdem haben ;)

Ich bleibe bei meiner Meinung: Regionale Delikatessen-Happenings lassen sich zwar wunderbar zu Empörung hervorrufenden Feindbildern hochstilisieren, wer aber wirklich was für den Tier- und/oder Artenschutz tun will sollte sich erstmal auf dem eigenen Teller umschauen. Da es sich in den im Blog dargestellten Fällen ja gar nicht um bedrohte Arten handelt, ist hier an völlig falscher Stelle ein Fass aufgemacht worden.

(PS: …ganz ohne Fleisch geht’s auch.)

Anonym hat gesagt…

Du schreibst über dieses Blutbad voller Begeisterung, ich würde fast eher mit Stolz sagen. Und ja, auch ich mache mir Gedanken, wo die Dinge herkommen, worauf ich sitze, was ich esse, was ich anziehe. Ist gar nicht so schwer, "anders" zu denken. Da ich Respekt vor Tieren habe und es viel gesünderes als Fleisch auf dem Teller gibt, bin ich u.a. auch schon seit 30 Jahren Vegetarier, Tierschützer und versuche wirklich zu überdenken, was ich tue, kein Pelz, kein Leder, keine Milch, da ich die schlechte Haltung/Tötung nicht unterstützen will. Und es gibt den schönen Spruch "es gibt keine glücklichen Tiere, auch nicht aus Bio-Haltung, es gibt nur tote Tiere". Ich mache mir Gedanken, du redest dich in den Kommentaren aus allem raus. Wie schreibst du so "witzig" über Gallensaft und Blut. Nicht mal das schüttelt dich. Vielleicht hast du auch schon Hunde oder Katzen gegessen, weil "das halt so ist in Asien"? Mir ist das egal, ob es "so ist", ich esse es nicht, da es sich für mich nicht richtig anfühlt. Ich bemühe mich, mit Ressourcen und dem, was mich umgibt, kostbar umzugehen, egal, worum es sich nun handelt. Denk doch bitte mal nach! Willst du so behandelt werden? Das erinnert mich an die Affen, denen man lebendig das Hirn auslöffelt? Wo ist deine Ekelgrenze? Oder auch deine moralische Grenze?